Vollversammlung 20100118
Aus TU Brennt
Am 18.01.2010 soll eine TU Wien-weite Vollversammlung stattfinden.
- 18:00
- 18.01.10
- TU Wien Freihaus Hörsaal 1
Text für Flyer
Liebe Studierende,
liebe Lehrende,
in den letzten Jahren wurde die Universität schrittweise im sog. Bologna-Prozess reformiert. Am 11. und 12. März werden europäische Bildungsminister_innen die verminderte Autonomie der Universitäten und die Einschränkung der Freiheit der Forschung und Lehre in Wien und Budapest feiern. Da wir die positive Ansicht der Minister_innen nicht teilen, rufen wir auf zur Vollversammlung am 18.01.2010 um 19 Uhr.
Der 1997 mit der "Lissabon-Konvention" gestartete Bologna-Prozess hatte ursprünglich die Absicht, die Studienleistungen und -abschlüsse zwischen Ländern vergleichbarer zu machen und damit die Mobilität von Studierenden und Lehrenden zu erleichtern. Nach der Umsetzung und dem geplanten Abschluss des Bologna-Prozesses 2010 lässt sich das Fazit ziehen, dass dieser bei weitem nicht die ursprünglichen Ziele erreicht hat. Dies hängt vermutlich auch damit zusammen, dass die Umsetzung der Ziele von Anfang an stark von Industrieverbänden beeinflusst wurde, z.B. dem ERT (European Round Table of Industrialists) oder der österreichischen Industriellenvereinigung, anstatt die unabhängige und freie Forschung im Auge zu behalten. Zudem werden Studierende, die neue Studiensysteme durchlaufen haben, in der Industrie eher schlecht angenommen. Während der Bachelor einer Masse an Studierenden zugänglich sein sollte, verdünnen sich Master und PhD zu einem Eliteprogramm, das vor allem Frauen ausschließt. Die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen hat zur Forderung bzw. Umsetzung von Zugangsbeschränkungen und sozialer Selektion im Bildungsbereich geführt. Verschulte Studienpläne und der starke Druck, diese in Mindeststudienzeit durchlaufen zu müssen, erschweren Auslandssemester und ein breites und diverses Studium. Der im Zuge der Reformen des Bildungssystems vollzogene Demokratieabbau erschwert zudem eine Änderung der Studienbedingungen durch die bestehenden Einflußmöglichkeiten.
Angesichts dieser wenig zukunftsversprechenden Perspektive sehen wir keinen Grund, das 10-jährige Bestehen der Bolognareform zu feiern. Die weltweiten Proteste der Studierenden, Lehrenden und Schüler_innen zeigen, dass die Politiker_innen nicht mehr über unsere Köpfe entscheiden können. Deswegen rufen wir zur Vollversammlung am 18.01. auf, in der wir weitere Schritte besprechen wollen!

